Der beste Bruder der Welt – Nacht des Kometen

Nacht des Kometen

Phineas Flynn hatte die Ellbogen auf das Pult gestützt und gähnte. Bilder der vergangenen Nacht schossen ihm durch den Kopf. Da war nicht viel Schlaf gewesen. Seine Lider ließen sich nach jedem Blinzeln schwerer öffnen und hinterher konnte er sich kaum an den Film erinnern, der in schlechter Qualität auf dem Bildschirm flimmerte. In der Hoffnung es würde ihm helfen, blickte er durch die Schülerreihen und musste feststellen, dass er nicht der einzige mit dunklen Augenringen war. Die Mehrheit schien nach der letzten Prüfung gestern die Nacht durchgefeiert zu haben.
  Sie waren in einer großen Gruppe im Park gewesen, hatten Musik gemacht und über Abschied und Zukunft gesprochen. Später gab es ein BBQ und natürlich war im Schutz der Dunkelheit auch Alkohol geflossen. Phineas hatte sich diesmal zurückgenommen. Seine wahre Droge war Ferb. So sehr hatte er sich nach ihm gesehnt, nur darauf gewartet, dass sie endlich heimfahren würden, um übereinander herfallen zu können. Auf dem Rückweg in Baljeets Auto, als sie dicht beieinandergesessen hatten, war es noch schlimmer gewesen. Aber Phineas wollte nicht wieder schwach werden, egal wie warm und verlockend nah Ferbs Finger dagelegen hatten. Es war nur Stacys Gnade zu verdanken, dass sie diese vergangenen Wochen so ruhig hatten verleben dürfen. Wie oft hatte er gefürchtet, dass sie es Candace erzählen würde! Baljeet war erfahrungsgemäß nicht gut darin, etwas für sich zu behalten, vor allem dann nicht, wenn er unter Druck stand. Es war weise gewesen, ihn nicht auf die Probe zu stellen.
  Die restliche Nacht (und wirklich viel Nacht war sowieso nicht mehr übrig gewesen) hatte er in Ferbs Bett verbracht. Phineas war immer noch überwältigt davon. Und schockiert, wie sie die Zeit vergessen hatten. Erst kurz vor 4 war er in sein Zimmer zurückgeschlichen. Bestimmt haben manche hier ganz durchgemacht.
  Niemand nahm diesen letzten Schultag ernst, viele Stunden fielen aus oder wurden zu Kaffeekränzchen. Oder es wurde – wie jetzt – ein Film geschaut, der nichts mit dem eigentlichen Fach gemein hatte. Buford und Ferb hatten sogar entschieden, ganz fernzubleiben. Am Wochenende würde die große Abschiedszeremonie stattfinden. Die High School war vorbei, eine Ära, die zu Ende ging. Jeder Senior schien das zu spüren, dieses erwartungsvolle Kribbeln, die leichte Furcht, aber vor allem den Stolz es geschafft zu haben.
  In einer außerplanmäßigen Freistunde setzte Phineas sich draußen in die Sonne. Es war ein recht heißer Tag, er schloss die Augen, genoss die warmen Strahlen auf der Nasenspitze und glitt in einen tiefen Schlaf. Die erotischen Träume hatten in den letzten Wochen zugenommen und so schreckte der Teenager beim Geräusch der Schulglocke verwirrt auf. Doch statt des halbnackten Ferbs, fand er die Schultasche in seinen Armen wieder.
  Gähnend streckte er sich und erspähte Isabella nicht weit entfernt auf einem Blumenkasten sitzen. Ihr schwarzes Haar fiel nach vorn, glänzte dort, wo die Sonne durch das Blätterdach brach. Sie machte keine Anstalten, zur nächsten Stunde zu gehen, blickte nicht mal von ihrem Buch auf. Hoffentlich hat sie mich nicht beobachtet! Sie waren jetzt über einen Monat getrennt, aber Phineas fühlte sich weiterhin schuldig in ihrer Gegenwart. Um irgendetwas mit den Händen zu tun, kramte er im Rucksack nach den Blueprints, an denen er heimlich gearbeitet hatte. Er plante, sie heute Abend Ferb zu überreichen, denn dann blieb genug Zeit den Teleporter zu bauen. Wir werden uns ständig besuchen können, egal wo wir sind.
  Phineas wollte nicht prahlen, aber diese Erfindung war sein Meisterwerk. In nichts anderes hatte er so viel Zeit und Liebe fließen lassen und er hoffte inständig, dass sie nicht plötzlich verschwinden würde, wenn er sich kurz wegdrehte. Vielleicht sollte ich den Teleporter doch tragbar konzipieren … zum Beispiel als Armband! Schnell kramte er den Bleistift hervor und begann, eifrig Neuerungen auf das Papier zu kritzeln.
  Isabella würde hier auf das Tri-State State College gehen, das wusste er. Und plötzlich fragte er sich, ob jetzt der Moment für den Abschied gekommen war. In der Gruppe würden sie niemals offen reden können und in letzter Zeit war es sowieso selten, Isabella allein anzutreffen. Außerdem würde sie gewiss den Sommer mit Collegevorbereitungen verbringen, wie er sie kannte. Es ist komisch. Ich habe noch all dieses Wissen über sie. Was wird damit geschehen?
  Plötzlich war Isabella auf der anderen Seite des Schulhofs, lief mit dem Rücken zu ihm in Richtung der Sporthalle. Phineas schmiss seine Sachen in die Tasche und lief ihr hinterher. An der Tür erreichte er sie.
  „Hey Isabella, warte.“
  „Oh hey, Phineas.“ Ein Lächeln war über ihre Lippen gehuscht, wie aus Gewohnheit und dann nur den Bruchteil einer Sekunde später verschwunden. Sie ist noch so verletzt. Er wusste nicht mehr, wieso er ihr nachgegangen war. Der Impuls sich zu verabschieden, war schon verschwunden und er schämte sich für die Idee, es irgendwie wiedergutmachen zu wollen. Ihre Wunden waren ganz klar noch nicht geheilt. Er machte es nur schlimmer!
  „Ich habe gehört, dass du in der Stadt aufs College gehen wirst.“ War das wirklich das, was er hatte sagen wollen?
  Sie nickte, noch immer lag Skepsis in ihrer Mimik. „Ich werde Danville schon in ein paar Wochen verlassen.“ Und mich hoffentlich vergessen …
  „Freust du dich darauf?“
  Ein Zucken. „Ich bin froh, dass meine Familie nah sein wird und … ich denke wir brauchen alle einen Neuanfang. Weißt du schon, wohin du gehen wirst?“
  „Ich habe mich noch nicht entschieden. Da sind einfach zu viele Optionen.“ Es fühlte sich seltsam an, so normal mit ihr zu reden. Vielleicht könnten sie doch eines Tages Freunde sein.
  Sie nickte nur, scheinbar fehlten ihr die Worte, das Gespräch fortzuführen.
  „Ich wünsche dir viel Erfolg, bye“, verabschiedete sich Phineas. Er war schon zurück auf der Grasfläche, als sie ihn eingeholt hatte.
  „Phineas?“ Er drehte sich um.
  „Ich habe dir verziehen. Es ist niemandes Schuld, dass du schwul bist. Ob ich wünschte, dass es anders gelaufen wäre? – Ja! Aber du kannst nichts für deine Gefühle.“ Sie umarmte ihn kurz und fest. „Mach’s gut.“

Eigentlich hatten die Jungs den Abend zusammen verbringen wollen, doch Baljeet waren irgendwelche College-Pflichten dazwischengekommen und Buford hatte tatsächlich ein Date, sodass Ferb und Phineas jetzt allein mit einem Sixpack Bier unterwegs waren. Das Auto war zu Beginn der Woche fertiggestellt worden und Ferb behandelte es wie einen Schatz. Er sprach davon, es irgendwie nach England bringen zu lassen.
  Mit offenem Dach (denn natürlich hatten sie es zum Cabrio gemacht) rasten sie durch die Landschaft und beschallten die Felder mit Musik. Ausnahmsweise hatte Phineas die Playlist ausgesucht. Ohne den Fahrer aus den Augen zu lassen, sang er jeden Vers lautstark mit. Es war richtig kitschig, wie sie der untergehenden Sonne entgegenführen, doch daran störten sie sich nicht. Dies war möglicherweise einer der letzten Abende, die sie für sich alleine hatten.
  Am See angekommen breitete Phineas die Picknickdecke an einer ruhigen Stelle aus, die vom Wasser nicht direkt einsehbar war. Schatten hatten sich bereits über das Ufer gelegt, doch die orange Sonne spiegelte sich noch in tausenden Glitzerfragmenten auf den Wellen. Der Himmel war wolkenfrei und die Luft fühlte sich warm an. Ein Schwarm Mücken flog im Gebüsch zu ihrer Linken und sie konnten die Grillen zirpen hören. Entfernte Stimmen anderer Gruppen wurden durch den sanften Wind zu ihnen getragen. Es roch nach Wald und Wasser, aber auch nach Marshmallows und Lagerfeuern.
  Phineas kickte die Sandalen von den Füßen und watete vorsichtig über den steinigen Boden ins Wasser hinein. Nun konnte er die anderen Ufer erkennen, sah wie die Leute den beginnenden Sommer genossen. Zwei Boote trieben in seine Richtung. Er entdeckte eine Familie Gänse und ein halbes Dutzend Schwimmende am Steg.
  Ferb hatte seine Sachen ausgepackt und war nun hinter ihm. Er legte die Arme um Phineas, hauchte ihm einen Kuss auf die Wange und ließ das Kinn auf der Schulter ruhen. Lange verharrten sie in diesem Moment, bis die Boote vorbeigezogen waren und die Sonne die Baumkronen küsste. Dann drehten sie sich weg, stiegen Hand in Hand ins Trockene und kuschelten sich auf die Decke. Phineas saß vor seinem Stiefbruder und lehnte sich gegen dessen vertraute Brust. Gedankenverloren strich er über die Tropfen, die sich an Ferbs Beinen sammelten. Wenn man genau hinsah, konnte man erkennen, dass sogar dort die Haare grün waren. Sie wirkten schwarz, aber das verbleibende Licht reichte, um ihr Geheimnis zu enthüllen.
  Sie küssten sich. Mehrfach. Unterbrachen es nur, um der Wanderung der Sonne weiter zuzusehen. Ferb griff nach Phineas‘ Arm, strich mit dem Daumen über jede Sommersprosse, prüfte alle Unebenheiten.
  „Man sieht sie kaum noch.“
  Er wurde aus seinen Gedanken gerissen. „Was?“
  „Deine Narben. Man sieht sie kaum noch.“
  „Ich habe mir in letzter Zeit Mühe gegeben, dass keine neuen dazukommen,“ sagte er beschämt. Er drehte sich, aber blieb zwischen den Beinen sitzen, und betrachtete nun selbst die blassen Reste der Wunden. War die Tatsache, dass er seine Nägel nicht mehr über das eigene Fleisch kratzen ließ, etwas auf das er stolz sein konnte?
  „Ich hatte schon fast vergessen, wie es ist glücklich zu sein.“
  „War Isabella so schlecht?“
  Phineas streckte ihm die Zunge raus und stieß ihn nach hinten. Dann kletterte er auf den hilflosen Körper und drückte Ferbs Handgelenke auf den Boden. „Ich sollte dich fesseln und liegenlassen!“, fauchte er gespielt genervt.
  Ferb zog die Augenbrauen hoch. „Hhm, kinky kleiner Bruder.“ Lachend stemmte er sich gegen Phineas‘ Fesselung.
  „Nenn mich nicht so!“, schnaubte dieser entsetzt.
  „Aber du bist schon ganz schön klein.“ Ferb war nicht mehr zu halten.
  „Es hat mir besser gefallen, als du nur einmal am Tag gesprochen hast!“ Beleidigt ließ er los, wich den Armen aus, die ihn einfangen und in einen Kuss drücken wollten und hastete zu seinem Rucksack. Doch bevor er das greifen konnte, was er wollte, wurden ihm die Beine weggezogen. Ferb hatte ihn hochgehoben und ging mit breiten Schritten auf die mittlerweile dunkle Wasseroberfläche zu.
  „Wage es nicht.“ Phineas sah ihm ernst in die Augen. „Ich trage noch meine Klamotten.“
  Ferb zuckte mit den Schultern. „Dann wohl wir beide.“ Er machte einen Satz und eine Sekunde und einen schrillen Aufschrei später waren sie beide unter die Wasseroberfläche getaucht. Die Wärme des Sees hatte schon abgenommen, sodass Phineas keuchend auftauchte. Die Hose klebte schwer an seinem Körper und das gestreifte T-Shirt war ganz durchsichtig geworden. Ferb schwamm etwas zurück bis er stehen konnte und zog den Rothaarigen lachend an sich. Phineas konnte nicht anders, er musste diesem Schelm verzeihen. Du bist das, was den Sommer wirklich unvergesslich macht.
  Diesmal war der Kuss lang und intensiv. Von Leidenschaft gepackt drückten sie sich fester und fester und fester aneinander. Beinah verlor Ferb deswegen das Gleichgewicht, doch er konnte sich trotz des unsicheren Untergrunds halten. Er griff in Phineas‘ Nacken, wanderte zu den Haaren hoch und – seine Lippen erzitterten vor Lachen.
  „Sorry, ich habe vergessen wie lustig dein Haar herunterhängt, wenn es nass ist“, prustete er los.
  „Wirklich? Deswegen brichst du ab?“ Dabei hatte er sich gerade richtig hingeben können! Phineas hatte nicht übel Lust, den grinsenden jungen Mann mit einem Schwall Wasser zu bespritzen, aber bevor er dazu kam, näherte sich der andere entschuldigend und gab ihm einen Kuss aufs Haupt. „Du weißt doch, dass ich es liebe.“ Er ließ das tropfende Haar durch die Finger rinnen und verwuschelte es dann versöhnlich.
  „Ich liebe dich auch.“
  Das war das erste Mal, dass Phineas diesen Satz so offen zu ihm gesagt hatte. Nicht dass es eine Rolle spielte, denn Ferb wusste es sowieso längst. Es auszusprechen, war unnötig, es war klar, wo sie standen; das unmögliche Paar, zwei Brüder, die sich liebten. Dennoch sorgten die Worte dafür, dass sie ihre Körper erneut aneinanderdrückten, sich umschlangen und der Sicherheit hingaben, zu Hause zu sein.
  Noch vor ein paar Wochen wäre Ferb vielleicht abgehauen und hätte diese Realität nicht zugelassen, doch allmählich schien auch er mit der Vergangenheit abzuschließen. Er führte ihn zu ihrem Platz zurück und begann, ganz langsam, ihn von der nassen Kleidung zu befreien. Zuerst knöpfte er die kurze Hose auf, die jetzt nicht mehr blau, sondern schwarz wirkte. Dann zog er das tropfende Shirt über Phineas‘ Kopf, griff nach einem Handtuch und rieb den abgekühlten Oberkörper trocken. Die nasse Kleidung warf er achtlos auf einen Haufen, zu dem sich bald auch seine eigene Hose gesellte.
  Hinterher war Phineas froh, dass es an diesem Abend passiert war. All die Wochen hatte er es sich gewünscht, aber hier in der freien Natur, weit weg von Eltern oder Geschwistern, die hereinplatzen könnten, konnte er sich endgültig fallenlassen. Möglicherweise war ihr unkontrolliertes Stöhnen zwar zu irgendwelchen Zeugen am anderen Ufer geschallt, aber in der Dunkelheit blieben sie so anonym, wie die Eichhörnchen auf den Bäumen.
  In seinen wildesten Träumen hätte er sich nicht ausmalen können, wie gut Sex tatsächlich war. Absolut entspannt wickelte er sich in ein Handtuch und öffnete eine Dose Bier. Ferb stand rauchend am Wasser. Er trug bereits wieder eine Unterhose, was Phineas jedoch nicht davon abhielt, ihm einen Klaps auf den Hintern zu geben. Der andere drehte sich mit den typisch vorwurfsvoll hochgezogenen Augenbraun zu ihm um.
  „Jetzt kann ich erst recht nicht mehr von dir lassen“, hauchte Phineas verführerisch.
  Ferb trat die Zigarette am Boden aus. „Wie du willst“, sagte er und riss das Handtuch herunter, um sich über Phineas‘ Körper herzumachen.
  „Du wirst noch um Gnade betteln.“ Seine Stimme war tief und lustvoll.

Die letzte Bierdose in der Hand und nur in eine Jacke gekleidet lag Phineas auf dem Rücken und starrte in den klaren Sternenhimmel. Gleich ist es soweit.
  „Acht Minuten“, stellte Ferb mit Blick auf die Uhr fest. Tatsächlich war er zuerst nicht wirklich begeistert gewesen, nichts weiter zu tun als den Kometen mit dem bloßen Auge zu beobachten, doch Phineas hatte darauf bestanden. Vielleicht gerade, weil es jetzt so anders war als in den alten Zeiten. Sie hatten Denkwürdiges geleistet, doch das war vorbei. Die Zeit war gekommen, sich einfach zurückzulehnen und die Welt zu nehmen, wie sie war.
  Ferb schnappte ihm das Bier weg und legte sich neben ihn. Ein Odeur aus Schweiß, Alkohol, Rauch und Deo umschwebte ihn, sodass Phineas‘ Gedanken fortgerissen wurden von der Unendlichkeit des Weltalls hin zu seinem unstillbaren Verlagen nach diesem Jungen. Er konnte sein Glück noch nicht wirklich fassen. Mit klopfendem Herzen zählte er die Sekunden. Es war lächerlich daran zu glauben, aber vielleicht konnte dieser Stein ihm seinen Wunsch erfüllen. Zumindest schadete ein Versuch nicht.
  Mit einem gleißend roten Schweif tauchte der Komet auf und für einen Moment schien es als würde die Welt den Atem anhalten. Dann war wieder die sanfte Musik der Natur zu hören. Er erkannte zunehmend mehr Farben: Blau und Lila erschien der Schweif nun, während der Kern weiß glühte. Ich wünsche, dass wir den Teleporter bauen, sprach er seinen Wunsch stumm aus. Ein paar Sekunden erleuchtete die Linie den Himmel bevor sie hinter den dunklen Silhouetten der Bäume verschwand.
  „Ich habe etwas für dich.“ Phineas‘ Worte wirkten störend in der Stille, die doch keine war. Während er nach dem Rucksack tastete, wurde ihm bewusst, welch starke Dunkelheit sie umschloss. Man könnte meinen, das alles wäre nicht real. Dieser Gedanke machte ihm Angst, weshalb er sich kurz in die Wange kniff. Der folgende Schmerz erinnerte ihn jedoch daran, welch klare Empfindungen er diesen Abend verspürt hatte. Nie zuvor war er einem anderen menschlichen Wesen so nah gewesen. Ich liebe ihn! Ich liebe ihn so sehr! Wir gehören zusammen – für immer!
  Kurz warnte er den anderen vor, danach schaltete er die Taschenlampe des Handys an und überreichte ihm die Baupläne. Ferb verstand augenblicklich und Phineas konnte die Begeisterung in seinen Augen glänzen sehen. So überraschte ihn das Lob nicht, doch was ihn überraschte war, dass Ferb die Pläne sofort faltete und weglegte.
  „Wir werden sie nicht brachen.“ Phineas konnte nicht raushören, wie er diesen Satz gemeint hatte. Verunsichert schaltete er das Licht aus und verschränkte die Arme.
  „Du … du willst mich nicht jederzeit sehen können?“ Da war sie wieder, die lähmend Furcht.
  Er wurde hart von der Seite angestupst. „Ich werde da nichts zu sagen, Phineas Flynn! Denn das kannst du unmöglich glauben!“
  Erleichtert rutschte er an Ferb heran. „Sorry … Es ist manchmal schwer zu glauben, dass du mich willst.“
  „Ja, ich will dich“, sagte er und gab ihm einen liebevollen Kuss. „Deshalb habe ich etwas Besseres.“ Er ließ eine bedeutungsvolle Pause. „Du bist auf meinem College in England angenommen!“
Warte was?
  Wieso war er nicht selbst auf die Idee gekommen? Das war perfekt! In einem anderen Land, wo sie kaum jemand kannte, könnten sie offen zusammen sein! Niemand würden wissen, dass sie als Brüder aufgewachsen waren, sie teilten ja nicht mal einen Nachnamen!
  „Jetzt kapierst du es“, stellte Ferb fest.
  „Aber … die Fristen waren doch längst abgelaufen. Das hast du selbst gesagt!“ Der andere lächelte mysteriös und ließ sich zu keiner weiteren Information hinreißen. Freudentränen flossen Phineas‘ Wange herab, welche er schnell fortwischte. Sie würden nach England gehen und ein neues Leben beginnen – zusammen! Die Lippen der Teenager fanden sich und blieben für eine wunderbare Ewigkeit zusammen. Manchmal war es gut, dass Kometen doch keine Wünsche erfüllen können.

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