Ritter in strahlender Rüstung
Kapitel
Ein Paar fuhr durch Danville. Die junge Frau, schwarzhaarig, hatte beide Augen konzentriert auf die Straße vor sich gerichtet, während sie das auffallend pinke Auto steuerte. Neben ihr saß ein ebenso junger Mann, der sie unentwegt vom Beifahrersitz aus anschaute. Ein flüchtiger Beobachter hätte die Romantik in seinem Blick erkannt, aber dort war auch etwas undefinierbar anderes. Beide waren für eine Party angezogen. Der junge Mann trug ein frisch gebügeltes weißes Hemd und hatte das kräftig rote Haar so gut es ging gekämmt. Seine Begleiterin hatte ein stilvolles Prinzessinnenkleid aus dunklem Stoff und passenden Schmuck dazu an. Aus dem Autoradio drang ein leiser Popsong, der die Vorfreude der beiden beflügelte. Isabella Garcia-Shapiro konnte ein Schmunzeln nicht unterdrücken. Sie spürte, dass ihr Freund sie anstarrte.
„Entschuldige noch mal, dass ich gestern abgesagt habe“, brach sie das Schweigen. Paris konnte ich dir sowieso nicht bauen.
„Ich bin einfach froh, dass du nicht krank geworden bist“, entgegnete Phineas Flynn. Jetzt löste er den Blick und sah stattdessen aus dem Fenster.
„Ja, ich auch. Ich habe selten so starke Bauchschmerzen gehabt, ich dachte schon das Essen in der Cafeteria wäre schlecht gewesen.“ Die Erleichterung war ihr deutlich anzuhören. Heute Nacht, dacht er lächelnd. Sein Herz beschleunigte sich.
„Wann denkst du kommen Ferb und Vanessa?“, fragte Isabella. Dabei wollte er gerade nicht über seinen Stiefbruder nachdenken – doch wie konnte sie das wissen?
„Die sind gewöhnlicherweise recht spät“, antwortete er achselzuckend. Diese Nacht sollte Ferb keine Rolle in seinem Leben spielen, egal was diese unsägliche Anziehung sagte! Heute Nacht gehörte ihm und seiner Isabella. Er hob die Hand, um ihren Ellbogen zu streicheln. Der Duft ihres Parfüms umnebelte ihn.
Am anderen Ende der Stadt angekommen hörten sie die Musik schon bevor sie Hollys Haus erreicht hatten. Die Einfahrt davor war zugeparkt mit Autos, sodass sie sich einen Platz am Straßenrand suchen mussten.
„Ich liebe dich“, hauchte Isabella Phineas zu, als das Paar auf dem Weg zur Haustür war. Ohne zu zögern gab er den Satz zurück. Isabella wollte die Klingel drücken, aber ihr Freund hielt sie kurz fest.
„Warte, ich habe eine kleine Überraschung für dich.“ Aus der Hosentasche zog er einen Miniaturblumenstrauß, welcher sich nach wenigen Sekunden wie durch Magie auf seine realen Maße vergrößerte. Die Stiele wurden durch das Haarband zusammengehalten, das Isabella bei ihm vergessen hatte.
„Wow, Phineas der ist wunderschön!“ Sie nahm die Blumen entgegen und war fast eine wirkliche Prinzessin, es fehlte bloß die Krone. Überwältigt bestaunte sie die Farbauswahl, roch an den orangen Rosen und befühlte die weichen Blätter.
„Die brauchen kein Wasser und halten trotzdem ein paar Wochen“, erklärte Phineas stolz. Es war nur ein kleines Geschenk, aber er hoffte sie damit glücklich zu machen, und ihr etwas Liebe zurückgeben zu können.
„Ich kann sie doch nicht mit auf die Party nehmen“, fiel der Schwarzhaarigen auf. „Dafür sind sie viel zu schade.“ Wie eine Maus trippelte sie eilig zum Auto zurück, deponierte den Strauß auf der Rückbank und schloss zu Phineas auf, der soeben geklingelt hatte.
Holly, die ihnen öffnete hatte sich auf ihre ganz eigene Weise aufgebrezelt. Sie trug eine hautenge schwarze Jeans und ein gelb-schwarz kariertes Hemd, bei dem sie bedeutungsvoll die obersten Knöpfe offen gelassen hatte, sodass ihr Ausschnitt zur Geltung kam. Ihre Lippen glänzten und die Augen waren dunkel geschminkt. Sie drückte das Paar überschwänglich und bat sie herein. In der Küche tummelten sich bereits Leute. Die Meisten hatte pinke Plastikbecher unterschiedlichen Inhalts in der Hand. Es gab einen Getränkekühlschrank mit größtenteils Bier, aber es fanden sich auch diverse Schnäpse und Softdrinks. Auf der Küchenzeile wurden Chips, verschiedene Salate, Salzstangen, Minipizzen und Würstchen angeboten.
Isabella griff sich einen Becher Wasser und Phineas eine Cola. Zusammen entkamen sie dem Gedränge, indem sie der Musik entgegengingen. Die Terrasse war zu einer Bühne umfunktioniert wurden. Darauf spielte sich eine Band älterer Jungs gerade ein. Der Bass war so laut, dass Phineas seine Freundin erst wieder verstehen konnte, als sie weiter hinten im Garten beim Pool angekommen waren. Die Atmosphäre gepaart mit der warmen Luft ließ Hitze in im hochsteigen. Bilder einer leichtbekleideten Isabella schossen durch seinen Kopf. Toll, jetzt bin ich nervös und geil.
Und er war stolz auf sich. Stolz darauf, dass er seit gestern Abend viel zufriedener mit seiner Situation war. Ja, Ferb war häufig in seinen Gedanken und das oft in unangebrachter Weise, aber das störte ihn weniger, seit er seinen Entschluss gefasst hatte. Er umschlang Isabella und drehte sich mit ihr, als tanzten sie Walzer, im Kreis. Danach verloren sie sich in einem Kuss. Sie würden die Nacht zusammen verbringen – endlich.
Die Leute um sie herum, begannen lauter und lustiger zu werden und als selbst Ginger mit einem Becher Bier zu ihnen stieß, war Phineas Entscheidung gefallen. Alkohol senkt immerhin die Hemmschwelle, vielleicht hilft uns das später. Die College-Band schien sich eingespielt zu haben und startete mit dem ersten Song, der ein Green-Day Cover war. Eine kleine Menge Gäste hatte sich vor der Terrasse versammelt und begann, im Takt mit zu wippen. Wie üblich auf Hollys Partys kannte er niemanden davon. Er schätze, es waren Freunde der Hobbymusiker.
In der Küche war weiterhin viel los. Irgendwoher hatte jemand eine Bowle gezaubert, die sich nun zu den Snacks gesellte. Auf der Suche nach Holly oder zumindest einem bekannten Gesicht, erspähte er drei ehemalige Fireside Girls bei einem Garderobenständer. Er näherte sich ihnen, da trat die Gastgeberin mit einem Tablet voll mit kleinsten Gläschen dazu. Neugierig warf er einen Blick auf die unterschiedlichen Flüssigkeiten. Holly drückte ihm eines der kleinen Gläschen in die Hand.
„Was ist das?“, fragte er neugierig daran riechend.
„Ein Shot von… das weiß man nie“, antwortete die großgewachsene Gretchen. Begeistert sah sie nicht aus.
„Das ist Teil des Spaßes“, erklärte Holly. „Auf dem College nennen sie es Shot-Roulette. In den Pinnchen sind die verschiedensten Sorten Schnaps und du bekommst zufällig eine davon.“
„Aber was ist, wenn es einem nicht schmeckt?“ Die anderen lachten über seine Frage.
„Es geht nicht um den Geschmack, es geht um den Spaß, den Zufall. Es ist eine Art Begrüßungsritual.“ Dann hoben sie zeitgleich die Gläser und Holly rief aus voller Kehle:
„Es trinkt der Mensch, es säuft das Pferd, doch heute ist es umgekehrt!“ Und die fünf tranken. Heiß rann es Phineas Kehle herunter, während er sich bemühte, alles in einem großen Schluck hinunterzubekommen. Er stellte das Gläschen wie die anderen wieder auf das Tablett und musste sich mehrfach räuspern. Es brannte.
Er blieb noch einen Moment. Sie unterhielten sich über Colleges.
„Ich habe darüber nachgedacht ins Ausland zu gehen“, teilte Gretchen mit. „Ich möchte gerne Erfahrungen sammeln, vielleicht irgendwo arbeiten eine Zeit.“
„Ferb hat sich in England beworben“, sagte Phineas. Die Erinnerung daran traf ihn plötzlich. Sein Herz setzte eine Sekunde aus und schlug dann beschleunigt weiter. Ferb geht vielleicht weg. Es gibt die Möglichkeit, dass wir uns nicht mehr jeden Tag sehen. Er spürte wie die Angst ihn lähmte und die Wärme aus seinen Fingerspitzen stahl.
„Das muss hart für dich sein“, traf es Milly genau auf den Punkt. Sie hatte versucht, ihren wilder Lockenschopf mit Haarspangen zu bändigen, doch sobald sie sprach lösten sich zwei Strähnen aus diesem Gefängnis.
„Eigentlich wollte ich etwas zu trinken holen“, verabschiedete er sich schnell in die Küche, ein Lächeln vortäuschend. Überraschenderweise war es dort weniger beengt. Er stand etwas verloren vor der großen Auswahl an Getränken. Eigentlich wusste er nur, dass er nicht erneut so etwas wie eben wollte. Vielleicht starte ich vorsichtig mit Bier. Als er sich etwas davon in seinen Becher füllte – obwohl er inzwischen nicht mehr sicher war, ob es nicht Isabellas war – stand plötzlich Baljeet neben ihm.
„Hmhm, Du nun auch, Phineas?“ Ein klarer Vorwurf lag in der Frage. „Ich dachte du wärst verantwortungsbewusster.“
Er erklärte, dass er es einfach gerne einmal probieren wollte und musste sich daraufhin einen längeren Vortrag über die Folgen anhören, der weitaus drastischer war als jener der Englischstunde. Ein Teil von ihm war dankbar für die Ablenkung, aber Baljeet überschlug sich in seinen Ausführungen, dass Phineas kaum mitkam. Unbewusst nippte er immer wieder an seinem Bier und musste feststellen, dass es ihm schmeckte. Wie viel davon man wohl trinken muss, damit der Rausch einsetzt? Die Schlucke wurden mutiger und bald trank er normal, ungeachtet Baljeets Worten.
„Hörst du mir überhaupt zu? Nein tust du nicht“, beantwortete er sich die Frage selbst. „Es tut mir leid, dass ich dich genervt habe.“ Phineas vernahm ungewohnte Bitterkeit in seiner Stimme. Dann schien er sich zu erinnern, weshalb er überhaupt hergekommen war. Mit zusammengepressten Lippen füllte er den Becher in seiner Hand ebenfalls mit Bier auf.
„Phineas, stimmt etwas nicht?“, fragte er den Blick des Rothaarigen bemerkend. Sorge hatte die Bitterkeit abgelöst. Ertappt wendete Phineas die volle Aufmerksamkeit wieder auf seinen Freund. Er hatte an Ferb denken müssen, wie dieser nachts lachend auf dem Flurboden gelegen hatte.
„Nein, mir geht es gut“, versicherte er, wobei er versuchte, neutral zu klingen. Baljeet musterte ihn jetzt richtig.
„Du siehst aber nicht so aus! Du bist blass und hast schon den ganzen Becher getrunken. Du bist ja schlimmer als meine Freundin.“
„Baljeet, es ist ok. Ich werde vorsichtig sein.“ Diesmal legte er den vollen Optimismus in seine Stimme. „Wartet Ginger nicht auf ihr Bier?“, versuchte er die Aufmerksamkeit von sich abzulenken.
Es funktionierte. „Oh, du hast Recht.“ Und er eilte in Richtung des Gartens.
Phineas vergewisserte sich, dass er allein war, schenke sich einen neuen Becher ein und trank diesen in wenigen Zügen aus. Es beruhigte ihn. Für Isabella fand er einen süß riechenden Weißwein, mit dem er ihren Becher halb füllte. Dann nahm er sich ein drittes Bier und ging zurück in den Garten. Im Augenblick wurde ein Lied von Love Händel gespielt. Die Auftretenden waren nicht schlecht, jedoch war ihm die Stimme des Sängers zu speziell. Ferb und er würden den Leuten später wahre Unterhaltung zeigen! Sie hatten sich heute am Frühstückstisch auf eine Auswahl an Songs geeinigt, die sie ohne große Übung spielen konnten. Es ist noch früh, er wird mich nicht im Stich lassen, versuchte Phineas aufkommenden Ängsten entgegenzuwirken.
Ohne etwas zu verschütten, die anderen zu erreichen, erwies sich als schwierig, da sich mittlerweile die Mehrzahl der Partygäste tanzend vor der Terrasse aufhielt und eine dichte Menge bildete. Ein großgewachsener Kerl, etwa im Alter der Band mit einem pinken T-Shirt stieß ihn beinah um.
„Sorry,“ entschuldigte sich dieser, die wummernden Bässe überschreiend. Er hatte ein charmantes Lächeln aus einer Reihe gerader Zähne. Phineas fiel der feine Bart auf, der in einem schmalen Streifen das Gesicht umrahmte. Der Fremde hörte auf zu tanzen und streckte Phineas die Hand entgegen, der diese jedoch wegen der Becher nicht schütteln konnte.
„Ich bin Chris. Hast du wegen mir etwas verschüttet?“
Phineas kontrollierte den Inhalt. „Sieht alles in Ordnung aus.“
„Holly sollte Deckel dafür anbieten“, scherzte er. „ Und? Gehst du mit Holly zur Schule?“ Die ganze Zeit über taxierte er den jüngeren mit einem intensiven Blick, während das Lächeln nicht von seinem Gesicht wich, sodass Phineas errötete. Er bereute, dass es hier wegen der vielen Beleuchtung so hell war.
„Ja, das tue ich. Wir kennen uns seit der Grundschule. Ich bin übrigens Phineas.“
„Und du, Phineas, wurdest dazu auserkoren den Getränkeboy für deine Freunde zu spielen?“ Chris erwartete scheinbar keine Antwort, denn er zeigte auf die Becher. „Darf ich etwas davon haben?“ Da Phineas ihm schlecht den Wein für seine Freundin geben konnte, reichte er das Bier weiter und sah zu wie der andere trank.
„Danke, das habe ich gebraucht.“ Chris zwinkerte ihm zu und gab den nun halb leeren Becher zurück. Der Teenager nahm einen weiteren Schluck, als wäre es für ihn völlig normal, Bier zu teilen oder überhaupt zu trinken. Mit einem kurzen Lächeln wendete sich Phineas ab, um sich weiter seinen Weg zu bahnen.
„Seh‘ dich später“, wurde ihm hinterhergerufen. Phineas sah über die Schulter und konnte einen Blick auf Chris erhaschen, der in einem Kuss mit einem hellhaarigen Typ verschmolz. Was? Augenblicklich wendete er sich ab und beschleunigte seine Schritte. Es war Zeit, dass er wieder zu Isabella fand.
Sie stand mit Buford und ein paar anderen an einem Stehtisch. Er sah in die gemischte Runde: Drei Ältere sowie zwei Mädchen aus ihrer Schule deren Namen er nicht kannte. Er wusste nur, dass sie mit Holly im Tanzkurs waren. Buford erklärte gerade die Regeln irgendeines Trinkspiels.
„Es ist ganz einfach. Du ziehst eine Karte. Dabei steht jede Nummer für etwas anderes, was du tun musst. Bei 8 darfst du dir zum Beispiel einen Trinkpartner aussuchen. Das heißt immer, wenn dieser trinken muss, musst du es auch und umgekehrt.“
„So gerne ich Buford auch schlage“, meinte Isabella. „Ich verzichte.“ Fragend sah sie ihren Freund an.
Aus dem Bauch heraus entschied er mitzumachen. Er gab ihr einen Kuss auf die Wange und reichte ihr den Wein. Dann nahm er zu Bufords deutlicher Freude den freien Platz ein. Er konnte nicht sehen, ob Isabella möglicherweise enttäuscht über seine Entscheidung war. Die Karten wurden gemischt und Phineas ließ sich die fehlenden Zahlenbedeutungen erklären, von denen er sofort manche vergaß. Er fühlte sich beflügelt und zugleich lag ihm eine schwere Nervosität im Magen. Zunehmend kam in ihm das Gefühl auf, dass seine Leistungen heute Nacht ausschlaggebend für den weiteren Verlauf seiner Beziehung sein würden.
In der ersten Runde musste er erstaunlich wenig trinken, was die Anwesenden schnell bemerkten und ihm daraufhin bei jeder Gelegenheit Schlücke zuteilten. Er versuchte, sich so gut es ging zu rächen, doch er kam nicht gegen die Opferrolle an. Vor allem Buford schien beinah darauf zu warten, dass ihm ein Fehler unterlief. Dabei schlug er sich nicht schlecht. Er hatte das Gefühl, das Spiel durchdrungen zu haben, da meldete sich seine Blase. Weil er nicht bis zum Ende warten wollte, entschied er sich sofort zu gehen. Beim Aufstehen spürte er das erste Mal deutlich die Auswirkungen des Alkohols. Es kostete ihn extra Konzentration, auf seinem Weg zur Gästetoilette neben der Haustür nichts anzustoßen. Es war besetzt.
Ungeduldig wartete er an die Wand gelehnt. Wie lange kann jemand brauchen? Sollte er einfach das obere Badezimmer benutzen? Aber nach Treppensteigen war ihm absolut nicht zumute. Endlich öffnete sich die Tür und heraus trat ein bekanntes Gesicht.
„Dachte ich doch, dass wir uns wiedersehen,“ sagte Chris, der den intensiven Blick nicht verloren hatte. Phineas war gerade nicht zu Scherzen aufgelegt, weshalb er eine Entschuldigung murmelnd an ihm vorbei huschte. Wegen der leichten Unsicherheit auf den Beinen hatte er sich hingesetzt und er war überrascht wie lange und mit was für einer Kraft er urinierte. Beim Waschen der Hände kühlte er sich das Gesicht zusätzlich ab, was nicht gegen das schwummrige Gefühl half. Draußen musste er feststellen, dass Chris anscheinend auf ihn gewartet hatte.
„Erstes Mal?“ Woher weiß er davon? hat Holly etwa ausgeplaudert, dass…?
„Woah, kein Grund rot zu werden.“ Sein Gegenüber hatte entschuldigend die Hände erhoben. „Es ist keine Schande unerfahren mit Alkohol zu sein.“ Phineas entspannte sich. Natürlich hatte er den Alkohol gemeint.
„Hör nur auf, sobald dir schlecht wird.“ Chris sah ihn wieder so komisch an. Er nickte und wollte zum Spiel zurückkehren, um die anderen nicht länger warten zu lassen, doch der Ältere hielt ihn am Arm fest: „Hey, kann ich deine Nummer haben?“
Mannigfaltige Dinge schossen ihm durch den Kopf. Er sah Chris, wie er draußen die Zunge im Hals eines anderen Mannes gehabt hatte, dachte an seine Träume von Ferb, fragte sich, ob gerade mit ihm geflirtet wurde und wie zur Hölle er antworten sollte.
„Kleiner, entspann dich.“ Phineas blickte verwirrt auf. Unbewusst hatte er sich wieder die Fingernägel in die Arme gepresst. „Ich wollte dich nicht erschrecken.“ Zum ersten Mal wirkte Chris‘ Lächeln unecht. Er wendete sich ab.
„Denk darüber nach“, waren seine Worte, bevor er Phineas stehen ließ.
Mit einem mulmigeren Gefühl als zuvor ging er zu den anderen zurück. Am Tisch nahm er dann einen großen Schluck Bier.
„Lasst mich raten, ich bin dran“, scherzte er.
Sie spielten lange, länger als gedacht und wurden zunehmend lauter. Phineas schaffte es die Opferrolle kurzzeitig auf Buford umzulenken, leistete sich jedoch zunehmend Fehler, die seinen Alkoholpegel ungewollt stiegen ließen. Zum wiederholten Mal ließ ihn sein Kurzzeitgedächtnis im Stich, indem er vergaß, dass er nur mit beiden Händen und mit geschlossenen Augen trinken durfte. Was zur Folge hatte, dass er sich nachschenken musste. Der Einfachheit halber hatte die Gruppe dazu Getränke auf den Tisch gestellt.
Phineas begann, sich nach Nähe zu sehnen. Er hatte viel Spaß, das war keine Frage, aber seine Gedanken waren häufig woanders. Sie kreisten um Isabellas Dekolleté, wurden jedoch von Ferbs nacktem Oberkörper unterbrochen – ein Bild, das sich unangenehm intensiv eingeprägt hatte und um die Frage, was genau dieser Chris von ihm wollte.
Am Ende der Runde – er wusste nicht mehr die wievielte es war – war der junge Flynn nicht mehr Herr seines Körpers. Eilig ging er ein weiteres Mal zur Toilette mit dem Ergebnis, dass er sich auf dem Weg weitaus mehr zusammenreißen musste. Nachdem er das Bad verlassen hatte, vernahm er ein Klopfen an der Haustür. Ohne darüber nachzudenken, öffnete er. Ihm gegenüber im Schimmer der Bewegungsmelder-Lampe, in Lederjacke gekleidet mit glasigem Blick und wirrem Haar, stand sein Prinz.

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