6. Februar
I
„Nur als rein theoretische Frage, wenn du Schmerzen heilen könntest, würdest du es tun?“ Lionel saß im Schneidersitz auf dem Boden und starrte seit einer halben Stunde auf die Rolle Pergament. Amit, der auf dem Bauch zwischen Bücherstapeln lag, richtete sich verwirrt auf.
„Was meinst du?“ Plötzliche Besorgnis nahm die Stimme des Ravenclaw ein. Er legte die Feder zur Seite und rutschte näher, sodass sich die Kniee der beiden Schüler berührten.
Ich weiß es doch auch nicht. Nervös fuhr er sich durchs Haar. Ominis hatte ihn heute abgefangen. Er mache sich Sorgen um Sebastian und sie sollten doch bitte miteinander reden. Lionel konnte nicht sagen, ob er Bescheid wusste, aber die Situation nagte an ihm. Wäre er wirklich dazu fähig, Anne zu heilen? Tausend Mal hatte er sich in den letzten Wochen diese Frage gestellt, aber er wusste, dass es die falsche Frage war. Eigentlich sollte sie lauten: Wollte er Anne überhaupt heilen? Sie selbst schien bereits mit allem abgeschlossen zu haben, müde von den endlosen Versuchen ihres Bruders.
Lass es mich anders angehen. „Was weißt du über alte Magie?“
Nach dieser Frage wirkte Amit nicht weniger irritiert. „Es heißt, das Schloss wäre mit Hilfe alter Magie erbaut worden, doch ich kann mich nicht erinnern, dazu je Details gelesen zu haben.“ Er schwieg einen Moment. „Lionel“, fuhr er fort, ohne ihn anzusehen. „wirst du mir jetzt erzählen, wie du diesen Troll besiegen konntest?“
Ein zögerliches Nicken. Wieso fiel es ihm plötzlich so schwer, sich zu öffnen? „Ich kann sie sehen, die alte Magie. Sie scheint etwas damit zu tun zu haben, dass ich erst so spät zum Zauberer wurde. Und ich kann sie benutzen. Selbst Professor Fig versteht nicht, wie es genau funktioniert, aber es gibt eine Verbindung zwischen dieser Form der Magie und mir.“ Lionel atmete aus. „Es geht hier um mehr als Zaubertränke oder Astronomiealtäre finden. Ich muss mich durch Prüfungen würdig erweisen und gleichzeitig jagt mich Ranrok. Es ist der Grund, wieso ich so viel in den Ländereien unterwegs bin und…“ Er seufzte. Am Besten erzähle ich dir alles.
Und das tat er. Er berichtete von den Ruinen in denen er das erste Mal die Spuren der alten Magie gesehen hatte, wie er in Hogsmeade ganz intuitiv gelernt hatte, diese Kraft einzusetzen, von den seltsamen bewachten Kammern, die ihn schließlich zu den Hütern geführt hatten und von dem, was er über seine Vorgängerin Isidora lernen konnte. Manche wären bestimmt von seinen Abenteuern beeindruckt, doch nachdem Amit einmal kurz an der Oberfläche gekratzt hatte und es beinah das Ende ihrer frisch erlangten Freundschaft gewesen wäre, fürchtete Lionel das alles könnte zu viel für ihn sein. Mit klopfendem Herzen blickte er sein Gegenüber an. Wenigstens weißt du jetzt, worauf du dich eingelassen hast.
Eine Sekunde später lagen sie sich in den Armen. Seine Nase in die Schulter des anderes zu drücken, fühlte sich wie ein Stückchen Heimat an. Er liebte diesen sanften Geruch und wie sich ihre Wangen berührten. Es gab ihm Zuversicht, dass sie eine Zukunft haben könnten. Vielleicht würden sie gemeinsam ein ruhiges sechstes Schuljahr erleben, wenn das alles hier endlich vorbei war. Sie waren zu der unausgesprochenen Übereinkunft gekommen, nicht plötzlich ihr Verhalten zu verändern und jede freie Minute miteinander zu verbringen. An sich war Lionel das ganz recht, aber es limitierte solche Momente auf ein Minimum. Seit seiner holprigen nächtlichen Rückkehr, war die Gerüchteküche unglücklicherweise wieder aufgeflammt. Nicht, dass diese Gerüchte annährend an die skandalöse Wahrheit heranreichten. Dennoch wurde über Amits Rolle in Lionels heimlichen Abenteuern wild spekuliert.
Sie lösten sich voneinander. Mit dem Fuß schob Amit einen Bücherstapel beiseite, um näher an den anderen heranzurücken. Dann nahm er seine Hand. Es war das erste Mal, dass sie so bewusst Hänchen hielten und es jagte Wärme durch Lionel.
„Nach dem, was du mir gerade erzählt hast, bin ich nicht sicher, ob diese alte Magie wirklich gut ist“, bemerkte Amit nach einem längeren Schweigen.
„Ich denke es kommt darauf an, was man damit tun will. Wirklich, ich möchte den Leuten helfen, aber …“
„Bitte werde nicht wie Isidora!“, unterbrach Amit ihn. Er nahm Lionels Kopf zwischen die Hände, strich kurz gedankenverloren mit dem Daumen über die sommersprossengefleckte Haut. „Du bist die schlimmste Ablenkung, die mir je untergekommen ist, für die letzte Hausaufgabe habe ich nur ein E bekommen.“ Er ließ eine schockierte Pause. „Aber ich möchte dich so behalten, wie du bist.“
Der folgende Kuss eskalierte. Irgendwie war Amit auf Lionels Schoß gerutscht und als sie ihre Oberkörper aneinanderdrückten verließ sie das Gleichgewicht. Plötzlich lag Lionel flach auf dem Boden, umgestoßene Bücher im Rücken und einen bebenden Körper über sich. Wie hatte er eigentlich diesen perfekten jungen Mann davon überzeugen können, sich mit ihm einzulassen? Amits Haare fielen nach vorne und rahmten sein errötetes Gesicht ein. Lionels Blick zuckte zwischen den leicht geöffneten Lippen und den liebevollen Augen hin und her. Er hatte keine Ahnung, wie er diese verfluchte Hausaufgabe fertigstellen sollte. Er vergaß alles um sich herum, selbst den Hauselfen, der jederzeit die Treppe herunterkommen konnte. War dies nicht die stärkste Form der Magie?
„Wirklich, nur ein E?“, fragte er schmunzelnd.
Amit rollte von ihm herunter. Erst nach einiger Zeit verstand Lionel, dass der andere ernsthaft geknickt war.
„Wir können weiterlernen, wenn du magst“, schug er zur Entschuldigung vor.
Amit schüttelte den Kopf. Er stellte noch ein paar Fragen bis eine sanfte Stille sie umhüllte. Lionel spürte noch, wo die Hände ihn berührt hatten. Amits Nähe machte ihn ganz verrückt. Es war aufregender als gegen eine Horde Sumpfkrattler zu kämpfen. Er hätte ewig auf diesem Boden liegenbleiben können.
Doch Amit musste weiterfragen. Er fragte nach Sebastian. Das Erwähnen des Namens löste Unwohlsein in Lionels Magengegend aus, sodass er sich aufrichtete. Eigentlich wollte er gerade nicht an seinen Mitschüler denken, aber Amit musste die schlechte Stimmung zwischen den ehemals so engen Freunden bemerkt haben. War es nicht genug, dass die Frage nach Annes Heilung ihn nicht mehr losließ?
„Ja, Sebastian weiß alles“, antwortete er. Und mehr. Verdammt, er war nicht bereit, Amit auch noch davon zu erzählen. „Ich wünschte nur, er wäre nicht so stur!“ Er glaubte nicht, dass Sebastian je wieder freiwillig mit ihm reden würde. Immerhin schien er das Geheimnis niemandem verraten zu haben. Schließlich waren sie bisher nicht der Schule verwiesen worden. Hoffnung machte ihm das allerdings nicht.
Amit starrte weiter die Decke an. „Es ist mir ein Rätsel, wie er so kalt zu dir sein kann. Du bist nicht nur ein äußerst beeindruckender Zauberer, du hast außerdem etwas an dir, das die Leute mögen. Wirklich. Die Ferien ohne dich waren nicht einfach. Ich bin sicher, Sebastian vermisst seinen Freund, selbst wenn er es nicht zeigen kann. Sabrina Kobe aus dem Koboldsteinklub hatte mal eine Brieffreundschaft mit einem Jungen aus Beauxbatons. Sie hat ewig gejammert, wenn die Antwort etwas länger gedauert hat – und glaube mir, das ist öfter passiert. Es war äußerst amüsant.“
Lionel lauschte dem Kichern. Zwei Bücher zogen gleichmäßig ihre Kreise. Er hoffe, dass sie nicht aus ihrer mühsam zusammengestellten Sammlung Lernmaterialen entkommen waren.
„Sebastian hat Recht, auf mich wütend zu sein“, räumte er ein. „Nach allem, was wir erlebt haben, der Krypta, dem Skriptorium, den unverzeihlichen Flüchen, Anne … Ich war nicht ehrlich zu ihm. Ich habe ihm bewusst Dinge verheimlicht.“
„Es ist nicht richtig, dich zu etwas zu zwingen, zu dem du nicht bereit – warte. Unverzeihliche Flüche?“ Amit war schneller auf den Beinen als Lionel hätte Quidditch sagen können. „Was meinst du damit?“
Er antwortete nicht.
Amit hatte begonnen, zu zittern. Seine Pupillen waren geweitet und der Ausdruck auf seinem Gesicht zeigte Furcht. „Ich frage dich einmal und ansonsten werde ich verschwinden und du kannst sicher sein, dass du zumindest mit mir nie wieder ein Wort wechseln wirst. Was hast du getan?“
„Beruhige dich.“ Angespannt standen sie sich gegenüber. „Wir waren in diesem Gang eingesperrt aus dem man nur herauskommt, wenn man jemanden foltert. Hätte ich es nicht getan, wären wir darin elendig verrottet wie Ominis Tante.“
„Welcher Gang? Wovon sprichst du?“ Er konnte hören, dass Amit den Tränen nah war. Zum zweiten Mal an diesem Nachmittag musste Lionel weiter ausholen. Es war nicht einfach, die richtigen Worte zu finden und mehrmals ertappte er sich dabei, die eigenen Entscheidungen zu hinterfragen. Waren sie längst zu weit gegangen? Er hatte doch nur helfen wollen.
„… aber du kannst mir glauben, dass ich den Crutiatus Fluch an keiner anderen menschlichen Seele angewendet habe.“
Die ganze Zeit hatte Amit wie versteinert zugehört. Jetzt nickte er kurz. „Ich muss darüber nachdenken.“ Ohne, dass er etwas dagegen unternehmen konnte, rauschte der Ravenclaw an ihm vorbei. Die Schritte waren laut auf den Stufen und dann kehrte Stille ein.
II
„Sie wollen ihn doch nicht einfach so gehen lassen!“ Deek war aus dem Nichts aufgetaucht. Die hochgezogenen wilden Augenbrauen verliehen dem Hauselfen einen vorwurfsvollen Ausdruck. „Los! Sie brauchen Ihre Freunde.“
Nicht ohne sich zu fragen, wie viel Deek in den vergangenen Wochen tatsächlich mitbekommen hatte – war er die letzten Male absichtlich ferngeblieben? – lief er los. Er hatte das Gefühl, der Raum um ihn herum würde sich bewegen und die Treppe verkürzen, sodass er ungewöhnlich schnell zur Einhornstatue gelangte. Im Gang stoppte er für einen Moment. War Amit die Treppen zum Astronomieturm heraufgestiegen? Nein, das wäre viel zu offensichtlich. Zwar hielt er sich in seiner Freizeit häufig auf der Plattform auf, aber sie war nicht der Ort, um in Ruhe nachzudenken. Also wendete sich Lionel in die andere Richtung und hastete die Treppen herunter.
Vor dem Klassenraum für Zauberkunst hielt er inne. Er hatte damit gerechnet, Amit mittlerweile eingeholt zu haben. War er irgendwo falsch abgebogen? Einen kurzen Moment überlegte er, die ganzen Stufen wieder hinaufzusteigen und sich im Turm umzusehen, doch dann kam ihm eine Idee. Er konnte die Stimmen weniger Mitschüler und Mitschülerinnen hören, die unter dem Astronomie-Pavillon sitzen mussten, doch ansonsten war das Stockwerk verlassen. Die meisten nutzen diesen Samstag für einen Ausflug nach Hogsmeade. Lionel ging in die Hocke, flüsterte den Desillusionierungszauber und schlich zurück. Er hatte Recht. Die Tierwesen-Tür gab dem Druck seiner unsichtbaren Finger nach.
Die Testralfiguren dahinter waren nicht weniger eindrucksvoll als bei seinem ersten Besuch. Er entdeckte Amit augenblicklich.
„Zeig dich Geist! Ich habe keine Angst.“ Eine zitternde Hand richtete den Zauberstab in seine Richtung.
Lionel löste den Desillusionszauber. „Geister müssen keine Türen öffnen, sie können einfach durch Wände schweben“, scherzte er mit erhobenen Händen. Er konnte nicht sagen, ob Amit erleichtert war, ihn zu sehen. Ohne auf eine Einladung zu warten, kam er näher.
„Es tut mir leid, dass ich dir nicht früher davon erzählt habe, was Sebastian und ich in den Ferien gemacht haben. Ich hatte Angst, du könntest mich für einen schwarzen Magier oder so etwas halten. Schließlich weiß ich selbst, wie fremd das alles klingen muss. Die alte Magie, das Artefakt …“ Er war nicht gut darin, sich zu entschuldigen.
Traurige Augen trafen ihn. Er glaubt mir nicht. Die Vorstellung schmeckte bitterer als die Medizin aus dem Krankenflügel. Wieso glaubt er mir nicht? Lionel verschränkte die Arme.
„Ich wollte für Sebastian ein guter Freund sein, denn das konnte er wirklich gebrauchen. Es ist nichts falsch daran, für jemanden einzustehen.“ Er konnte nicht verhindern, dass sein Ton erhitzter wurde.
„Ich verstehe nicht, wieso du mit einer Person befreundet sein willst, die einen Kobold mit dem Imperius belegt hat.“
„Weil Freunde das so machen. Sie stehen zueinander, auch wenn sie nicht einer Meinung sind!“
„Schön! Wieso bist du dann hier und nicht bei ihm?“ Von einer Erkenntnis getroffen, hielt Amit inne. „Ich bin nur deine Ablenkung.“ Verletzt schaute er zu Boden.
„Das ist der größte Haufen Drachenmist, den ich je gehört habe“, versuchte Lionel, dieses desaströse Gespräch herumzureißen. Er konnte es nicht ertragen, Amit so zu sehen. Die aufkeimende Wut erstarb. „Du interessierst mich seit du mir in der ersten Woche zu meinem Mega-Power-Trank gratuliert hast. Glaubst du etwa, ich hätte mit irgendwem nachts die Sterne angeschaut? Es war extrem kalt! Aber ich wollte dich näher kennenlernen, von Anfang an wollte ich Zeit mit dir verbringen.“ Er war vor Amit auf die Kniee gegangen. „Seit du mich das erste Mal angelächelt hast, musste ich ständig an dich denken.“
Amits Augen sprangen hin und her. Die Mundwinkel formten ein vorsichtiges Lächeln. „Ich bin froh, dass ich mit dir beim Astronomiealtar war und nicht mit dem Koboldsteinklub.“ Amit nahm seine Hände. „Du hast mir deinen Umhang gegeben. Nie zuvor hat jemand so etwas für mich getan. Habe ich mich je richtig dafür bedankt?“
„Wofür? Dafür, dass ich dich wie einen Menschen behandelt habe? Wenn die anderen nicht sehen, was für ein lustiger, kluger und attraktiver Junge du bist, sind sie selbst schuld.“
Hitze stieg sichtbar in Amits Wangen. Seine Lippen waren warm und hungrig. Wie konnte sich etwas so himmlisch anfühlen?
„Was machst du nur mit mir?“, keuchte Amit. Lionel konnte ihm leider keine Antwort geben. Er hoffe, dass es dasselbe war, was der andere in ihm auslöste. Aber auch ohne es in Worte fassen zu können, bedeutete ihm dieses Gefühl alles.
III
Schulter an Schulter liefen sie die Stufen zu den Gewächshäusern hinab. Obwohl es draußen weiterhin grau und kalt war, spielten die Jahreszeiten hier unter dem Glasdach keine Rolle. Lionel atmete die warme Luft voller unterschiedlicher Gerüche ein. Es war als wäre der Frühling bereits ausgebrochen. Bevor Amit im Gewächshaus verschwand, berührten sich ihre Handrücken. Zwei Blicke trafen aufeinander und Lionel musste sich zusammenreißen, ihn nicht an sich zu ziehen. Die vergangenen Tage waren besonders herausfordernd gewesen. Er konnte sich absolut nicht konzentrieren, wenn sie gemeinsam im Unterricht waren. Das anfänglich gelegentliche Herüberschauen eskalierte zu einem durchgehenden Starren. Stundenläng hätte er Amit dabei beobachten können, wie achtsam er seine Zaubertränke umrührte, wie er vor dem Umblättern manchmal den Daumen befeuchtete oder wie eifrig er Notizen machte. Eine wundervolle Ablenkung vor dem, was da draußen auf ihn wartete.
Die Kobolde kamen näher. Erst gestern hatte er eine Gruppe darüber reden gehört, in der Nähe des Waldes eine wirre Sprache aufgeschnappt zu haben und auch Professor Fig schien mit jedem verstrichenen Tag nervöser zu werden. Doch ließ sein Terminplan bisher kein Treffen bei Cragcroftshire zu. Lionel vermutete, dass der Schulleiter etwas mit den langwierigen London Aufenthalten des Professors zu tun hatte. Er könnte sicherlich die vierte Aufgabe allein angehen, aber nur eine Andeutung in diese Richtung hatte Professor Fig extrem aufgeregt, weshalb er nicht gewagt hatte, es erneut anzusprechen. Etwas zu lang sah er dem Ravenclaw nach, bevor er sich am oberen Rand des Teichs niederließ.
„Was gibt es denn da Interessantes, Welsh?“ Sebastian näherte sich mit verschränkten Armen.
Er würdigte den Slytherin keines Blickes. „Es ist ein schöner Ort. Wir sollten viel öfter innehalten und es genießen.“
„Ich sehe, dass du immer noch lügen kannst, ohne rot zu werden.“ Die schwarzen Schuhspitzen hatten den Rand erreicht und kickten ein Steinchen ins Wasser.
„Warum bist du uns gefolgt?“ Herausfordernd blickte er nun in die kühlen Augen.
„Du weißt, dass ich tue und lasse, was ich will. Außerdem seid ihr einfach so ein spannendes … Paar.“
„Sag, was du sagen möchtest oder verschwinde, Sebastian.“
„Ich musste es einfach mal aus der Nähe sehen.“ Er schaute in Richtung der Tür durch die Amit gegangen war. „Ihr seid nicht so subtil, wie ihr denkt.“ Ein unfairer Vorwurf von jemandem, der anderen heimlich hinterherschleicht.
„Und glaubst du immer noch, dass ich krank bin? Ist ein Halbblut, das nichts für Mädchen empfindet, nicht gut genug für dich?“
Sebastian trat einen weiteren Stein von sich. „Das ist nicht. Ich.“ Er hielt inne und drehte sich zu Amit, der mit dem Arm voller Flussgras aus dem Gewächshaus kam. Die beiden sahen sich an und Lionel konnte nicht erkennen, ob Abscheu oder Gleichgültigkeit in Amits Ausdruck lag.
Eilig stand er auf und ließ Sebastian hinter sich. Dieses Gespräch führte offenbar nirgendwohin.
„Warte.“ Sebastians Schultern hingen plötzlich herunter und er blickte zu Boden. „Ich brauche deine Hilfe. Für Anne“, fügte er mit zusammengepressten Zähnen hinzu. Amit deutete ein Kopfschütteln an.
Lionel zögerte. „Können wir nicht in Ruhe,“ doch er wurde unterbrochen.
„Die Zeit rennt. Ich werde wieder in die Katakomben nach Feldcroft gehen. Hoffentlich treffen wir uns dort.“ Im Vorbeigehen hauchte Sebastian er einen letzten Satz: „Du bist durch und durch ein Regelbrecher.“ Lionel hätte schwören können, ein aufblitzendes Lächeln gesehen zu haben.

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