
Der schönste Tag – Gedicht aus besonderen Worten
Friedvoll die Szene
Seine Worte schmiegen sich
Behaglich
An mein Kleid
Weißes Schillern über grünem Gras
Mein Herz voll Wonne
Genießt den Glanz
Mucksmäuschenstill die Menge
Als er
Achtsam
Holt den Ring hervor
Ich lasse es geschehen
Kleide mich ins seidene Gefühl der Liebe
Wartend
Lächeln
Hinter dem Haus – eine kurze Szene
Der Boden des Balkons liegt im Schatten. Die Luft riecht nach Sonne, während ein leichter Wind für Abkühlung sorgt. Kurz rauscht ein dreckiger Güterzug vorbei, danach wird es angenehm still. Selbst die nahen Labore, aus denen oft Bohrgeräusche dringen, reihen sich in die Melodie der Stille ein. Vögel beginnen zu zwitschern. Sie verstecken sich im Laub, sodass man sie nicht sehen kann. Die anderen Balkone sind leer, vielleicht ist es den meisten zu warm. Ich sehe bloß, wenn ich mich über das metallene Geländer lehne, zwei Frauen Pause machen. Dann fliegt eine Hummel auf mich zu, als wolle sie „hallo“ sagen. Ich glaube, sie spürt die kleine Idylle hinter dem Haus.
Der Weg – Ein Experiment aus der Du-Perspektive
Langsam läufst du durch den alten Wald. Du bist groß geworden, erwachsen mag man es auch nennen. Jeden Tag gehst du denselben Weg, achtest genau darauf, wohin du trittst und was um dich herum geschieht. Du hörst das Rascheln und hebst den Kopf gerade rechtzeitig, um das Eichhörnchen im Grün verschwinden zu sehen. Es scheint als würde dir der leichte Regen nichts ausmachen, aber du zögerst, die Lichtung zu betreten. Mit dem Alter bist du vorsichtgier geworden. Noch vor wenigen Monaten liefst du gerne voraus, ganz sorglos und getrieben von einer inneren Freiheit. Jedes Details hast du dir genau angesehen, alle Gerüche in dir aufgenommen. Du weißt nicht, wohin dieses Gefühl der Sicherheit verschwunden ist. Wahrscheinlich liegt es daran, dass deine Familie fort ist. Aber so ist wohl der Lauf der Dinge. Eines Tages, das weißt du, wirst auch du sterben.
Die Vögel sind heute besonders laut. Du fragst dich, ob sie sich über das Wetter beschweren oder ihnen dein Hiersein missfällt. Ein wenig siehst du ihnen zu, wie sie hin und herfliegen, dann gehst du weiter. Manchmal wünschst du dir, auch die Welt von oben zu sehen. Würde es das leichter machen? Du weißt es nicht.
Am Bächlein angekommen stillst du ausgiebig deinen Durst. Ein neues Spinnennetz ist über Nacht zwischen den Steinen entstanden. Die feinen Fäden fangen die Regentropfen auf, ohne dadurch zu zerspringen. Sie sehen wie kleine Perlen aus.
Gerne würdest du verweilen, doch plötzlich hörst du ein Geräusch. Du spitzt die Ohren, lauschst in den Wald hinein, in der Hoffnung den Ursprung herausfinden zu können. Es kommt näher, also machst du einen Satz zur Seite und läufst davon. Deine langen Beine tragen dich zuverlässig über den unebenen Boden. Du bist schnell. Noch nie konnte dich jemand einholen, du hast schon früh deine Mutter im Wettrennen geschlagen. Bald bist du tief im Grün verschwunden, wo du dich sicher fühlst. Dein dunkles Fell tarnt dich überraschend gut, nur das mittlerweile imposante Geweih zieht Aufmerksamkeit auf sich.
Morgen wirst du deinen Weg erneut gehen und den Morgen danach. Eines Tages wirst du dich vielleicht trauen, davon abzuweichen und was dann geschieht, weißt nur du.